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Benediktinerabtei Ettal
Baugeschichte

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Wie sich die Klosteranlage baulich entwickelte und zwischen 1400 und 1700 aussah, das gibt ein Stich von 1644 anschaulich wieder. In einem annähernd quadratischen Geviert sind die Gebäude für die unterschiedlichen Bedürfnisse - Wohngebäude der Mönche, Werkstätten, Herberge für die Gäste u. a. - aneinandergefügt, wobei in die Ostseite beherrschend die Kirche eingebunden ist. Diese bildete und bildet einen zwölfeckigen Zentralbau, von einem hohen geschindelten Zeltdach bedeckt. Die Last wird durch Strebepfeiler abgeleitet, die den Kanten des Zwölfecks vorgelegt sind; eingebunden sind sie in einen die ganze Rotunde umlaufenden, doppelgeschoßigen Umgang. Östlich war ein kleiner Psallierchor angebunden. Im Inneren trug eine zentrale Säule das sternförmige ausstrahlende Rippengewölbe; an der Säule stand der Hauptaltar.

Diese Grundgestalt der Kirche entstand zwischen 1330 und 1370 (Weihe der Kirche am 5. Mai) und erfuhr gegen Ende des 15. Jahrhunderts Veränderungen und Ergänzungen; zu dieser Zeit wurde auch der erste Turm errichtet, der sich, gekappt, rechts des Kuppelbaus erhalten hat. Aus der Zeit der Gotik kennen wir keine Baumeister; einige erhaltene Steinmetzzeichen lassen auf eine Verbindung mit der Bauhütte des Regensburger Domes schließen. Im frühen 17. Jahrhundert erfolgten im Innern dekorative und einrichtungsmäßige Erneuerungen. Im Zuge der umfassenden Barockisierung kam es seit 1710 zu umfänglichen Baumaßnahmen, die den vorhandenen mittelalterlichen Bestand des Klosters zu einer Dreihöfeanlage umgestalteten.

Ettal auf einem alten Stich

Der gotischen Kirche wurde zunächst eine schwingende, marmorverkleidete Fassade vorgelegt und der Nordturm aufgeführt. Der mittelalterliche Psallierchor wurde niedergelegt und an seiner Stelle entstand das Queroval des Chorhauses mit dem anschließenden Sakristei- und Bibliothekstrakt. Das geschah bis 1724, weiteres unterblieb zunächst wegen Geldmangel. Der Architekt dieser ersten barocken Periode der Neugestaltung war der Graubündener Henrico Zuccalli, kurfürstlicher Hofbaumeister in München, der die gesamte Klosteranlage in den bis heute gültigen Grundzügen prägte. Ein Brand im Jahre 1744 zerstörte die im Umbau begriffene Kirche und weite Teile der Klosteranlage.

Der daraufhin einsetzende Neu- und Wiederaufbau stand unter der Leitung des Wessobrunner und Rottenbucher Stiftsbaumeister Josph Schmutzer, der das von Zuccalli Beabsichtige, aber noch nicht Durchgeführte zu Ende brachte und das dekorative Gefüge des Kircheninnern anlegte. Dekoration und Ausstattung des Kirchenhauptraumes waren bis 1762 fertiggestellt, so daß in diesem Jahr die Altäre geweiht werden konnten. Zunächst wurde der in Rohbau belassene Chorraum abgetrennt. Abgesehen von seinem Deckenfresko (1769) setzte seine Ausstattung erst Mitte der achtziger Jahre ein, nunmehr schon in kühl gewordenen Formen des frühen Klassizismus. 1790 konnte dann der Gesamtraum der Kirche in Benutzung genommen werden. Noch aber waren die Fassaden und Türme der Kirche nicht ausgebaut, ebenso die Südseite des großen Hofes vor der Kirche. Die Klosteraufhebung (1803) brachte dann alles Weitere zum Erliegen.

Weiterführendes geschah dann mit dem Ausbau des Nordturmes (1853) und um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert durch den des Südturmes und der Fassade, diese freilich nicht zu Ende geführt bis heute. Mit der Wiedererrichtung des Klosters wurden die nach der Säkularisation niedergelegten Teile der Klosteranlage wieder aufgeführt, ein letztes Stück erst 1972 bis 1976. Seit dem II. Weltkrieg erfuhr der gesamte Baukomplex eine fortschreitende Instandsetzung und Erneuerung, die Kirche im Innern 1967 bis 1969.