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Benediktinerabtei Ettal
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| Benediktinerabtei Ettal > Kloster > Beschreibung |
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DAS ÄUSSERE
Die Klosteranlage ist in ihrer Achse west-östlich gelagert. Der
Kirche als dem Mittelpunkt ist ein annähernd 100 mal 100 Meter großer repräsentativer
Hof vorgelagert. Die verputzten Fassaden sind in Weiß gehalten, von denen sich in Ocker
die Gesimse und die Fenster mit ihren für Zuccalli typischen Segmentverdachungen
absetzen. Geht man durch das Westtor auf die Kirche zu, kommt man an der sog.
"Schwedensäule" vorbei, die an den Schwedeneinfall während des 30jährigen
Krieges 1632 erinnert. Im Blick ist nun über leicht ansteigendem Gelände die Fassade der
Kirche mit dem darüberliegenden Kuppelbau. Die doppelgeschoßige Fassade wird lotrecht / vertikal
von Halbsäulen zusammengefaßt. Sie ummantelt vorspringend den dahinterliegenden
Baukörper und schafft mit Rückschwüngen Verbindung zu den Türmen, die auch von ihr
umfaßt werden. Zwischen den Säulen bzw. Säulenbändern (sog. Pilastern) sind Fenster,
Blindfenster oder Nischen eingelassen, die Marmorstatuen der zwölf Apostel enthalten. Nur
die mittlere der drei Portalnischen enthält tatsächlich den Zugang zur Kirche, während
die flankierenden beiden auf Mauerwerk stoßen; der ursprünglich geplante Durchbruch zum
Kircheninnern gelang aus statischen Gründen nicht.
Über einige Stufen betritt man durch ein seit der Barockzeit provisorisches Holzportal die Vorhalle, wobei nun der Blick auf das innere Portal in einer gotischen Vorhalle gerichtet wird. Dieses Portal hat sich aus der ersten Bauperiode der Kirche erhalten. Über dem reich gegliederten Gewände, das nach oben spitzbogig ausläuft, erscheint im Feld über der Tür, dem Tympanon, eine Kreuzigungsgruppe, flankiert von dem knienden Stifterpaar Kaiser Ludwig d. B. und seiner Gattin Margarete von Holland. Wenden sie sich einerseits dem Gekreuzigten zu, so laden sie andererseits den Beschauer zum Betreten der Kirche ein. DAS INNERE
Die zweimal drei Seitenaltäre, jeweils in sich asymmetrisch, bilden als Dreiheit in sich ein geschlossenes, doch wieder symmetrisches Ganzes. Links ist dazwischengefügt die schwungvoll bewegte Kanzel mit den Evangelistensymbolen und bekrönt mit dem Bekämpfer des Bösen, dem Erzengel Michael; eingebunden zwar hat die Kanzel aber doch Eigengewicht. Sechs der elf Wandfelder sind durch die Altargruppen besetzt, drei werden durch die weit in den Raum vorschwingende, auf vier Marmorsäulen aufsitzende Orgelempore umfaßt, die ihrerseits von zwei kleineren Emporen flankiert wird, die keinen anderen Zweck besitzen, als ein gliederndes Architektur- und Dekorationselement zu sein. Im rückwärtigen Bereich kommen, völlig wandgebunden, die Beichtstühle zu stehen, die durch ihren warmen, braunen Furnierton mit weißen und goldenen dekorativen Bekrönungen noch einen eigenen Akzent einbringen. Dekoration und Ausstattung des Hauptraumes sind als ein organisches Ganzes entworfen und empfunden, Altäre und Beichtstühle wachsen gewissermaßen aus der Architektur heraus und sind in keiner Weise in den Raum gestellte Versatzstücke. Nur der Taufstein mit der volkstümlichen Schnitzgruppe auf dem Deckel, die Taufe Jesu durch Johannes d. T., wirkt wie zufällig an seinen Platz gestellt: Die Barockzeit maß dem Taufstein nicht die Bedeutung zu wie das Mittelalter, oder wie das heute wieder der Fall ist. Der farbliche Grundakkord des Raumes sind höfisches Weiß und Gold, nur auf den Pilastern mit Altrosa und Altgrün leicht überhöht: Die Altäre liefern mit gedämpfterem Altrosa und Graugrün einen untergeordneten Gegenakzent. Die Holzaufbauten (Retabel) dieser Altäre sind in Marmorfassung gehalten, die Heiligenstatuen wie Alabasterfiguren weißgrau gefaßt: Dieser Effekt des schönen Scheines, der auf "echte" Materialien verzichtet, ist bewußt gestaltet, um das Vorübergehende dieses barokken "Heiligen Theaters" augen- und sinnenfällig zu machen. Für die Menschen des 18. Jahrhunderts, die Weidebauern und Holzarbeiter der Umgegend, die kaum ihre wenigen Quadratkilometer ihrer Lebensumgebung verließen, sollte das ein sinnenhaftes, begeisterndes Erlebnis in religiösem Sinne sein.
Das bildhaft Wahrnehmbare hat nun auch belehrenden Charakter: Die gottesdienstliche Gemeinde findet sich, versammelt im Gestühl vor: Sie sieht sich gegenüber der leiblichen Familie Jesu (Altar rechts vom Chorbogen: Hl. Familie) und der Jüngergemeinde (Altar links vom Chorbogen: Der Auferstandene im Kreise seiner Jüngerfreunde) und der Repräsentanten der geistlich-geistigen Geschichte der Kirche, ihrer Heiligengestalten: Der Kirchenleiter, der Bischöfe (mittlerer Altar links) und in einer Benediktinerkirche natürlich Vertreter dieser geistlichen Gemeinschaft (der Tod Benedikts am Mittelaltar rechts), schließlich der männlichen (rechts außen) und weiblichen (links außen) Blutzeugen, die mit ihrem Leben für Glaube und Überzeugung einstanden. Über allem wölbt sich riesig der "Himmel", auf dem die Glorie, die Herrlichkeit der benediktinischen Gemeinschaft in ihrer Geschichte dargestellt ist: Hunderte von Benediktinern und ihrer verwandten Gemeinschaft, von ihnen zugeordneten bedeutenden Gestalten im Lobpreis der göttlichen Trinität. In Blickrichtung zum Chorbogen ist in triumphierendem Gestus der Vater der benediktinischen Gemeinschaft, Benedikt von Nursia, wahrzunehmen, aufschauend zur Heiligsten Dreifaltigkeit, wobei das Ettaler Gnadenbild, herbeigebracht durch einen Engel, nicht fehlen darf. Hervorzuheben ist noch rechts, in etwa in der Querachse des Kuppelgemäldes, die hl. Scholastika, die Schwester Benedikts und Urheberin des weiblichen Zweiges der Benediktiner. Alles in allem bewegen sich 431 Gestalten auf diesem Kuppelgemälde, das von l. J. Zeiller in vier Sommerhalbjahren, vielleicht mit fünf bis sechs Gehilfen geschaffen wurde. Der Ursprung von Kloster und Kirche wird mit dem Wandbild über dem Chorbogen deutlich, wo die Gründungslegende dargestellt ist: Ein Engel im Mönchsgewand überbringt dem Kaiser die Marmormadonna mit dem Auftrag, das Kloster zu gründen. Auch dies ist mit großer, theaterhafter Geste dargestellt. Umgeben ist das mit einem Rahmen in kräftig-bewegten Stuckformen, ebenso wie darunter das Wappenfeld, das auf dem Chorbogenscheitel aufsitzt und das gekoppelte Wappen des Klosters und des Abtes Benedikt III. Pacher (reg. 1739-1759), unter dem sich die Raumausstattung vollzog, enthält: Ein Einhorn (Symbol für Jesus Christus) verneigt sich vor dem Standbild der Ettaler Madonna. Unter dem Chorbogen steht seit 1968 der Hauptaltar der Kirche. Er entspricht den Absichten des II. Vatikanischen Konzils hinsichtlich der Erneuerung des Gottesdienstes und läßt eine enge Verbindung von gottesdienstlicher Gemeinde und ihrem Vorsteher, dem Priester, zu. Der Altar (Wappen Abt Karl Groß, reg. 1961-1973) ist eine neuerstandene Arbeit, nachempfunden den Formen der mittleren Seitenaltäre.
Hinzuweisen ist noch auf die prächtig gerahmte Orgel, ein original erhaltenes Werk von Georg Hörterich.
Die Ettaler Kirche, eingebettet in die Klosteranlage, ist in ihrer gotischen Ursprungsform und deren barocken Umgestaltung gleich ungewöhnlich und in dieser Weise kaum vergleichbar. Als Baudenkmal gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen süddeutschen Barocks. Die sehr köstliche und delikate Innenausstattung des Kuppelbaus ist ein Zeugnis dafür, wie Rokokoformen aus dem höfischen Bereich - Impulse gingen da vor allem von der Haupt- und Residenzstadt München aus - in einen Kirchenraum umgesetzt werden. So wird ein Dokument lange gewachsener Kultur sichtbar, darüber hinaus aber ein Mittelpunkt und Brennpunkt kirchlichen und benediktinischen Lebens. |