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Ettal und die Ostkirchenökumene
Mitarbeit an einer gesamtkirchlichen Aufgabe

 

 
Zu den Aktivitäten der Benediktinerabtei Ettal gehört neben Schule, Seelsorge und den Wirtschaftsbetrieben auch die Ostkirchenarbeit, die im byzantinischen Institut geleistet wird.

Der ideengeschichtliche Hintergrund im 20. Jahrhundert

Die Anstöße dazu gingen im weiteren Sinne aus von Papst Pius XI. In einem Schreiben vom 21. März 1924 an den damaligen Abtprimas Fidelis von Stotzingen forderte er die Benediktiner zum Studium der Ostkirchen auf, damit sie nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion dort missionieren könnten. Die Benediktinerpatres Lambert Beauduin und Emmanuel Heufelder griffen die Idee des Papstes auf und wandelten sie um. Es ging ihnen also nicht mehr um die Bekehrung Rußlands, sondern um den Dialog mit den orthodoxen Kirchen. Sie eilten damit ihrer Zeit voraus und bereiteten auf ihre Weise den nachkonziliären orthodox-katholischen Dialog vor. Die Beziehungen Ettals zur Ostkirchenökumene reichen erst in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. An ihrem Anfang steht Abt Dr. Johannes M. Hoeck. Er gründete die byzantinischen Institute in Scheyern (1939) und in Ettal (1951).

Die ostkirchenkundlichen Aktivitäten von Abt Dr. Johannes M. Hoeck

Zwischen 1953 und 1965 entstanden unter kundiger Leitung von Prof. Dr. Franz Dölger und Abt Johannes Hoeck die in Ettal publizierten 11 Bände der Studia Patristica et Byzantina. Die Reihe enthält Texteditionen und Untersuchungen zu wichtigen byzantinischen Philosophen, Theologen und Dichtern. Beim Byzantinistenkongreß in München (1958) leitete Abt Johannes die theologische Sektion.

Abt Johannes als Konzilsvater

Seinen wichtigsten Beitrag für die Ostkirchenökumene hat Abt Johannes jedoch nicht so sehr als wissenschaftlicher Schriftsteller, sondern als Konzilsvater auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil geleistet. Er war beteiligt an der Konstituierung des Ostkirchendekrets "Orientalium Ecclesiarum instituta" und hielt vor der 104. Generalkongregation des Konzils am 19. Oktober 1964 eine bedeutsame Rede zugunsten der Wiedereinführung der Patriarchalstruktur in der katholischen Kirche. Durch eine auf diese Weise erreichte Dezentralisierung sollte die Autonomie der Ortskirchen gestärkt und so den orthodoxen Kirchen der Weg zur Einheit erleichtert werden.

Abt Johannes und das Gespräch mit den Ostkirchen nach dem Konzil

Über seine Tätigkeit als Konzilsvater hinaus war Abt Johannes auch beteiligt am nachkonziliaren orthodox-katholischen Dialog. Er half deshalb mit bei der Einrichtung der Regensburger Ökumenischen Symposien (1969-1994).

Ökumenische Kontakte

Durch Reisen in die Herkunftsländer der Ostkirchen in und außerhalb Europas sowie durch Begegnungen mit Repräsentanten der Ostkirchen auf ökumenischen Tagungen bot sich die Gelegenheit zu den für den Dialog so wichtigen persönlichen Kontakten. So war z. B. eine Audienz bei Patriarch Ilia von Georgien in Tiflis (Tbilissi) im September 1997 möglich.
Auch haben z. T. namhafte Kirchenmänner aus dem christlichen Osten und aus der katholischen Kirche das Ettaler Institut besucht und dessen Arbeit gewürdigt.

P. Ferdinand R. Gahbauer OSB, EttalOstkirchenökumenische Aktivitäten in Ettal seit 1975

Das Lebenswerk von Abt Johannes wird heute durch P. Dr. Dr. habil. Ferdinand R. Gahbauer OSB weitergeführt. Durch wissenschaftliche Publikationen, Vorlesungen an Hochschulen im In-und Ausland sowie durch Teilnahme am ökumenischen Gespräch vor allem mit den Ostkirchen leistet das byzantinische Institut unter seiner Leitung einen bedeutenden Beitrag. Als Grundlage hierfür dient u. a. die umfangreiche Klosterbibliothek (ca. 166000 Bände) und die Spezialbibliothek des byzantinischen Institutes (ca. 4500 Bände).