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Ettaler Klostergeschichte
Tiroler erpressen Kloster Ettal

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Tiroler erpressen Kloster Ettal
oder:
Der "Ehrwalder-Wilderer-Feldzug" anno 1797

Linderhof (Ansicht um 1800)Wo heute das vielbesuchte Schloss Linderhof steht, trafen sich am 26. Januar 1797 abends neun Wilderergesellen, um Nachtquartier zu nehmen und ihre Beute, die sie im Werdenfelser Land und vor allem im ettalischen Forst gemacht hatten, aufzuteilen. - Der Linderhof war das letzte landwirtschaftliche Anwesen des oberen Ammertales zur Tiroler Grenze hin. Dort fühlten sich die verwegenen Wilderer sicher.

Wie das Kloster von ihrem Aufenthalt Wind bekommen hat, ist nicht mehr bekannt. Am frühen Morgen gegen 6 Uhr stürmten alle 5 Klosterjäger, fünf kurfürstliche Reiter und und zwei Klosterdiener plötzlich den Hof. Die völlig überraschten Tiroler wurden unter Hauen und Stechen aus der Stube ins Freie gedrängt und im Handgemenge überwältigt. Dreien von ihnen gelang im Dunkeln die Flucht, einer der Gesellen, Andreas Gruen, wurde beim Weglaufen erschossen. Die anderen fünf brachte man gefesselt zum Wundarzt ins Kloster und anschließend nach Murnau ins Gefängnis.

In Tirol angekommen, berichteten die drei Entkommenen von ihrem misslungenen Beutezug im Bayerischen und vom Tod ihres Komplizen. Das brachte die Tiroler in Wut gegen das Kloster Ettal, dass man sich auf einen kriegsmäßigen Gegenschlag einigte.

Am 29. Januar um 1 Uhr kamen auf das vereinbarte Zeichen von 7 Böllerschüssen an die 200 Außerferner Schützen beim Ehrwalder Zöllner Alois Frugger zusammen, um gegen Ettal und Murnau auszurücken. Laut Bericht des Kreisamtes Imst war das Ziel des "Ehrwalder Feldzuges" ... "auf das Kloster Ettal loszugehen, den Prälaten zu zwingen, die fünf gefangenen Schützen herauszugeben, wann der dies aber nicht thät, einstweilen fünf Pfaffen als Geiseln mitzunehmen."

Über Griesen und  Garmisch (Werdenfels) waren die Tiroler bis nach Farchant marschiert und schlugen dort ihr Lager auf, um auf Werdenfelser Gebiet das Ergebnis der Verhandlungen in Ettal abzuwarten, zu denen der Ehrwalder Kurat vorausgereist war. Nach einer zweistündigen Unterredung hatte Joseph Dorfner um 11 Uhr nachts endlich die Anweisung des Ettaler Abtes Alfons Hafner für den ettalischen Pfleger zu Murnau in Händen, wonach die Gefangenen freizulassen seien.

Abt Alfons Hafner (1742-1807). - Foto einer Silberstiftzeichnung, um 1800.
Abt Alfons Hafner (1742-1807)
Silberstiftzeichnung um 1800 (Foto)

Das Wappen des Abtes Alfons Hafner auf einem Siegel (1795)
Wappen des Abtes Alfons Hafner
auf einem Siegel (1795)

 
Um 1 Uhr nachts klopfte der Kurat den Pfleger im murnauischen Schloss aus dem Bett. Erst nach langem Hin und Her war dieser bereit, die Gefangenen freizulassen. Am 30. Januar 5 Uhr abends zogen die Entlassenen zusammen mit den in Farchant Wartenden in Ehrwald ein.

Die Freude dort über das gelungene Husarenstück kann man sich vorstellen, ebenso die Verschnupfung des Ettaler Abtes über die Werdenfelser, dass sie die Bande ungehindert durchziehen ließen.

Anmerkung / So nachzulesen bei:
Josef Brandner / Heinrich Spichtinger, Rund ums Landl. Altwerdenfelser Grenzsteine und Felsmarchen. Geschichte, Denkmäler, Geschichten, Adam-Verlag, 1993, Seite 182-184.