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Die Benediktinerabtei Ettal
in Geschichte und Gegenwart

Vorgeschichte

Gründung
Gründungsmotive
Gründungslegende
30jähriger Krieg

1709 bis 1803
Abt Placidus Seiz &
die Ritterakademie

Der Klosterbrand von 1744

Säkularisation
Ende des alten Ettal
Klostergut 1803-1900

Wiederbegründung
Ettal heute

 

Motive, die zur Gründung des Kloster führten

Daß Ettal eine ureigenste und auch einmalige Idee Ludwig IV. ist, kann man nicht bezweifeln. Daß es allerdings, wie es in der Ritterregel heißt "... unserm Herren als loblich und als andechtichlich darinne gedient werde, daz wir und alle unser Vordern und Nachkommen, und alle Krisenheit an Sel und an Leib gen Got getröstet werden ..." der einzige Beweggrund ist, ist zu bezweifeln, da damit noch keineswegs geklärt ist, warum Ludwig IV. in diesem Hochtal ein Kloster mit einem Ritterstift gegründet hat. Der primäre Beweggrund zur Gründung Ettals dürfte wohl handelspolitischer Natur sein: die Erschließung und Sicherung der Handelsstraße Augsburg - Verona. Weiterhin sollte wohl am südlichsten Punkt des Hausmachtgebietes von Bayern - München ein Stützpunkt geschaffen werden, von dem aus sich der Weg nach Italien kontrollieren ließ. So ungewöhnlich wie der Gründungsvorgang ist die Gründung selbst: denn nicht nur ein Benediktinerkloster wurde ins Leben gerufen, sondern auch ein "Stift mit kaiserlichen Statuten für verehelichte Ritter" . Der schon zitierte Abt Johannes von Viktring schreibt von Ettal, daß es ein "monasterium nove consuetudinis et acentus inaudite", ein "Kloster von neuer und unerhörlicher Art" ist. Das Außergewöhnliche an dieser Gründung wird uns klar durch die schon erwähnte "Ritterregel", die in der Form einer Urkunde eine Lebensordnung für Ritter festlegt und auf den 17. August 1332 datiert ist, tatsächlich jedoch erst nach 1339/40 geschrieben wurde. Nach dieser Regel sollte neben den 20 Benediktinermönchen (14 Priester- und 6 Laienmönche) auch ein Ritterkonvent unter einem "Meister" in Ettal Heimat finden. Es bestanden sozusagen drei Konvente nebeneinander: der Mönchskonvent unter dem Abt, der Ritterkonvent (12 Ritter) unter einem Meister und der Frauenkonvent (12 Rittersfrauen und 6 Witwen) unter einer Meisterin. Für die Gründung des Mönchskonventes wurde der Abt des dem Kaiser nahestehenden Klosters Reichenbach (Oberpfalz), Friedrich der Heinrichsreutter, beauftragt. Er war der Beichtvater Ludwig IV. Als erster Abt der neuen Gründung wurde ein Konventuale seines Klosters, Heinrich Friedrich Rieter aus der Nürnberger Patrizierfamilie eingesetzt. Erstmals tritt im Jahr 1333 der Ritter Albrecht von Glampfenberg als Meister in Erscheinung. Im Zusammenhang mit den zahlreichen Ritterorden des Hochmittelalters ist auch die Ettaler Ritterregel zu sehen, die am ehesten eine Verwandtschaft zur Deutschherrenregel aufweist. Die Frage, ob Kaiser Ludwig mit dieser Doppelgründung von Mönchs- und Ritterkonvent die Idee einer Burg des "Heiligen Gral" verwirklichte, wie es P. Placidus Glasthaner meint, wird wohl nicht geklärt werden können. Auf jeden Fall dürfen mehr als diese "Grals-Idee" politische und fromme Gründe ausschlaggebend für die Gründung gewesen sein. Nicht zu übersehen ist allerdings die bauliche Auswirkung dieses Doppelkonventes: Vor der gotischen Zwölfeck-Kirche erstreckt sich ein Quadrat von ca. 100 m x 100 m, das auf der Nordseite den Ritterkonvent beherbergte, auf der Südseite den Mönchskonvent. Der Bau und die Formung Ettals vollzog sich allerdings recht langsam und es dauerte sicherlich einige Jahre, bis tatsächlich die ersten Mönche nach Ettal kamen. Vermutlicherweise gelangte das Ritterstift nie zu der in der Ritterregel beschriebenen Form. Mit dem Tod des Kaisers 1347 wurde dem Kloster und dem Ritterkonvent ein Teil der Dotationen durch den Herzog entzogen und wohl bald danach - der genaue Zeitpunkt ist unbekannt - auch der Ritterkonvent aufgelöst. Der noch bestehende Mönchskonvent erhielt erst 1368 die kirchliche Bestätigung. Das Recht auf Gebrauch der Pontifikalien wurden Ettal erst 1389 zugesprochen. Am 5. Mai 1370 wurde die Kirche unter Anwesenheit der herzoglichen Familie durch den Bischof von Freising, Paul von Jägerdorf, geweiht. Für eine innere und äußere Festigung des Klosters dürfte Abt Konrad Kummersprugger verantwortlich sein, obwohl die Situation Ettals auch nach ihm im frühen 15. Jahrhundert schwierig gewesen ist. Zum Besitz des Klosters zählten in dieser Zeit das Ammer- und Graswangtal, die Gebiete um den Staffelsee hin bis nach Huglfing und einige vereinzelt liegende Hofmarken, z. B. Aubing und Neuried bei München, dazu ein größeres Gebiet im Lechrain mit den Orten Egling, Mering und Merching. Der Ettaler Besitz hat sich bis zur Säkularisation 1803 als der drittgrößte klösterliche Grundbesitz nach Tegernsee und Niederaltaich ausgebildet.