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Die
Benediktinerabtei Ettal in Geschichte und Gegenwart |
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Vorgeschichte
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Die Neugestaltung des Klosters
Aber nicht nur die Ritterakademie hat Abt Placidus II. Seiz ins Leben gerufen. Ihm ist sowohl eine innere und äußere Neuprägung des Klosters zu verdanken. Die weite barocke Anlage, wie sie uns heute noch vor Augen steht, geht auf die Pläne des Graubündener Architekten Enrico Zucalli zurücken, den Abt Placidus II. Seiz für die Neugestaltung Ettals gewinnen konnte. Ihm sind die großräumige Sakristei und Bibliothek, sowie die heutigen Wohnungen für den Konvent zu verdanken. Unter ihm wurde das Brauhaus vergrößert und daneben zur Pflege edler Künste sogar ein großer Theatersaal angelegt. Um das Kloster herum entstanden mehrere Gebäude als Wohnungen für die Beamten und Bediensteten des Klosters: Die Anfänge des heutigen Dorfes Ettal. Auch die heutige Gestalt der Kirche geht - wenngleich sie Abt Placidus zu seinen Lebzeiten nicht mehr vollendet gesehen hat - auf ihn zurück. Der Klosterbrand von 1744 und der Neuaufbau Mitten in die Umbauarbeiten des Klosters brach am 29.6.1744 ein verheerendes Feuer, das alle Pläne vorerst durchkreuzte. Dieser schwere Schlag traf das Kloster um so schwerer, weil die vorausgegangenen Neu- und Umbaumaßnahmen die wirtschaftliche Lage Ettals bereits stark geschwächt hatte. Für die Geschichte Ettals ist dieser Brand von einschneidender Bedeutung, da er nun endgültig die Auflösung der Ritterakademie herbeiführte. Über den Brand selber liegen uns heute noch fünf Quellenbericht von Augenzeugen vor : ein Schreiben des damaligen Abtes Benedikt III. Pacher, das er fünf Tage nach der Katastrophe an den bayerischen Kurfürsten, Kaiser Karl Albrecht, schickte, um ihm die Hilfsbedürftigkeit Ettals darzulegen. Ein ähnliches Schreiben ist vom gleichen Abt an den Bischof von Freising, Johannes Theodor gerichtet. Ein längerer Bericht ist von von dem bedeutenden Ettaler Dichter, P. Ferdinand Rosner erhalten. P. Ferdinand Rosner, der erste Verfasser der Oberammergauer Passionsspiele und Professor in Salzburg sandte seinen Bericht an den Kardinal Quirini. Die vierte Quelle ist ein lateinischer Brief, den P. Franz Rainer an den Subprior von Maria-Plain schickte. Weit über die Hälfte des Klosterguts wurde ein Opfer der Flammen. Das Konventgebäude wurde unbrauchbar, so daß ein Teil des Konventes in die Räumlichkeiten der Ritterakademie umzog, ein anderer Teil fand Aufnahme in benachbaren Klöstern, vor allem im Kloster Benediktbeuern. Der nur 33jährige Abt Benedikt III. Pacher machte sich sehr bald an den Wiederaufbau des zerstörten Klosters. Doch war die finanzielle Lage nach wie vor schlecht und auch vom bayerischen Kurfürsten konnte nur mit einer begrenzten Hilfe gerechnet werden, da Bayern nach dem 30jährigen Krieg wirtschaftlich ausgeblutet war. So richtete sich die ganze Hoffnung für das Kloster auf P. Joseph Graf von Gondola, der damit beauftragt wurde, eine Kollekte im ganzen deutschsprachigen Raum vorzunehmen. In seinem Verzeichnis der für die abgebrannte Ettaler Kirche erhaltenen Almosen zählt er ungefähr 1.680 Wohltäter auf, teils Klöster, teils Einzelpersonen, meist Geistliche oder Adelige, aber auch Bürgerliche, besonders aus Holland. Insgesamt erhielt er von den 1.680 Wohltätern 24.977 Gulden und 47 Kreuzer. In dieser Summe ist auch der Ertrag der Kollekten in den unter Klemens August von Köln stehenden Diözesen Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim eingerechnet. Der Kurfürst wurde bei dieser Gelegenheit auf Gondola aufmerksam, fand an ihm Gefallen und erbat ihn von Ettal als Generalvikar und Weihbischof für Paderborn, wozu später noch die Funktion eines Vikars für die "Nördlichen Länder" kam. So konnte dank dem Einsatz des Ettaler Abtes und des ganzen Konventes unter Mithilfe vieler Wohltäter das Kloster wiedererstehen. Die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts verlief für Ettal ziemlich ruhig. Im Jahr 1759 mußte wegen persönlichen Mißhelligkeiten Abt Benedikt III. Pacher resignieren. Mittlerweile war Ettal trotz jahrzehntelanger Belastungen und Verschuldungen wirtschaftlich wieder konsolidiert, so daß die Säkularisation ein innerlich und äußerlich gefestigtes Kloster antraf. Der letzte Abt des alten Ettal war für den Ernstfall gerüstet und konnte der Säkularisation auch Widerstand gegen die Klosteraufhebungen entgegensetzen. |