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Die Benediktinerabtei Ettal
in Geschichte und Gegenwart

Vorgeschichte

Gründung
Gründungsmotive
Gründungslegende
30jähriger Krieg

1709 bis 1803
Abt Placidus Seiz &
die Ritterakademie

Der Klosterbrand von 1744

Säkularisation
Ende des alten Ettal
Klostergut 1803-1900

Wiederbegründung
Ettal heute

 

Der letzte Abt des alten Ettal - Alphons Hafner

Als im März 1803 der Säkularisationskommissar die Räume des Abtes durchsuchte, fand er Notizblätter, auf denen über die Ergebnisse von Beratungen mit dem Benediktbeurer Abt Karl Klocker über den jeweiligen Stand des Protestes gegen die Säkularisationspläne verzeichnet waren. Außerdem hatte Abt Alphons Hafner seine persönliche Meinung über den voraussehbaren Gang der Entwicklung festgehalten. Diesen Aufzeichnungen war auch zu entnehmen, daß der Abt soviele liquide Mittel als möglich aus den Kassen der Abtei abzog und in Form von Anleihen in Klöstern in Tirol und in der Schweiz unterbrachte, um sie so wenigstens noch für den Orden zu retten. Damit war das Mißtrauen des Aufhebungskommissarts geweckt, es könne hier zu "Verschleppung" von Klostervermögen gekommen sein. So wird die Überreaktion des Lokalkommissars verständlich, der nun einen "Inquisitionsprozeß wider den verbrecherischen Abt von Ettal, Alphons Hafner, sowie mehrere Konventalen wegen Verheimlichung von Vermögen, Fälschung von Obligationen, Verschleppung von barem Geld ins feindlich gesonnene Ausland und wegen ihrer allgemeinen unermeßlichen Heimlichkeiten und Tücken" ins Werk setzte. Tatsächlich hatte Abt Alphons Hafner Kirchensilber und im bescheidenen Umfang auch Haushaltssilber im Umfang von 16.000 bis 20.000 Gulden seit 1796 in Verstecke gebracht, um sie vor dem Zugriff der Franzosen (!) zu sichern. So hatte bei der Aufhebung der Abtei dieser Teil des Kirchensilbers der Beschlagnahmung entzogen werden können. Dies führte schließlich dazu, daß die staatlichen Behörden den Abt und einige Koventualen als "ruchlose Verbrecher [...] in Mönchskutten" anklagten. Bei der letzten Vernehmung des Abtes durch den Landrichter wird aber auch deutlich, daß Alphons Hafner sehr wohl die Rechtsproblematik erkannt hatte. Er erklärte nämlich, daß er zwar nicht, wie ihm vorgeworfen wurde 100.000 Gulden nach Tirol und in die Schweiz verschleppt hätte, aber hätte er dies getan, wäre es nichts Unrechtes gewesen, da die Eigentümer von Ettal die Gemeinschaft des Ordens und er somit das Ettaler Vermögen nur in eine andere Niederlassung seines Ordens verbracht hätte. Rechenschaft schulde er damit auch keiner staatlichen Behörde, sondern nur seinem Orden. Die Situation spitzte sich allerdings so weit zu, daß Hafner in der Nacht zum 12. Mai 1803 aus Ettal fliehen mußte und somit der staatlichen Behörde entzogen war. In seinem Heimatort Reutte fand er Unterschlupf und wurde von den Bewohnern des Marktes versteckt. Am 10. Juni 1803 meldete sich der Abt aus Martinsbruck im Oberinntal un nahm zu den ihm gemachten Vorwürfen ausführlich Stellung. In einer noch bis 1804 andauernden Auseinandersetzung konnte Hafner beweisen, daß das Silber vor den französischen Truppen versteckt worden sei und daß die 9.000 Gulden, die er in St. Gallen und St. Mang angelegt hatte, sein persönlicher Besitz waren. Abt Alphons Hafner, der einen starken Widerstand gegen die Aufhebung seines Klosters geleistet hat, starb als ein gebrochener Mann am 7.5.1807 in der Abtei St. Justina in Padua.