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Benediktinerabtei Ettal
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| Benediktinerabtei Ettal > Kloster > Klostergeschichte |
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Verglichen mit den großen, bedeutenden Klöstern des Mittelalters im altbayerischen
Raum ist Ettal relativ spät entstanden. Seinen Ursprung verdankt es dem Herzog von
Bayern-München, zugleich römisch-deutschen Kaiser Ludwig IV., genannt der
"Baier", dieser Begriff ursprünglich ein Schimpfwort des dem Kaiser gegnerisch
gesinnten Papstes. Die Absichten sind der Überlieferung nach in einer Gelöbnisstiftung
in einem dem Mittelalter vertrauten Sinne zu suchen, zum anderen in reichsrechtlichen und
landesherrlichen Gründen, die hier nicht näher erörtert werden können, und
handelspolitischen Zielen. Geistig-geistliches und handfest Praktisches gingen damit eine
reale Verbindung ein. Die Überlieferung der Gründung steht beziehungsreich zwischen
Historie und Legende, wobei die Tatsache des Romzuges des Kaisers im Jahre 1328 die
Grundlage angibt. Zum anderen ist da als bildhaftes Dokument die Marmorstatuette der
Ettaler Madonna im Hochaltar der Kirche, die der Kaiser jedenfalls von diesem
Italienfeldzug mitgebracht hat. In dieser Situation gelobte der Kaiser wohl die Stiftung Ettals. Mittel- und Brennpunkt des Klosters bildet jedenfalls bis heute das vom Kaiser seiner Stiftung geschenkte Madonnenbild. Als Gründungs- und Stiftungstag des Klosters gilt der 28. April 1330. Mit der Gründung einer Mönchsgemeinschaft sollte auch eine Lebensgemeinschaft von Rittern und ihren Frauen verbunden werden, ähnlich dem früher entstandenen Deutschorden. Diese Tatsache ist insofern wichtig, weil sie die Grundlage für die Baugestalt der mittelalterlichen Kirche abgibt, die, ummantelt von einem barocken "Überwurf", im heutigen Kirchenbau erhalten ist. Die Ritterstiftung erwies sich jedoch als nicht lebensfähig; das Kloster als Ganzes war es insoweit mit Grundbesitz und Vermögenswerten dotiert, daß es, wenn auch über Zeitstrecken hinweg nur mühsam, lebendig blieb. Im Mittelalter und bis ins 17. Jahrhundert hinein unbedeutend, fand Ettal um 1700 zu einer eigentlichen Hochblüte, die Hand in Hand mit dem Aufbrechen der süddeutsch-barocken Hochkultur ging. Nach 1700 gewinnt die Wallfahrt - ihre Wurzeln liegen im späten 15. Jahrhundert - große Ausmaße und 1709 wurde, nachdem in den vorhergehenden Jahren der wirtschaftliche Bereich weitgehend neuorganisiert worden war, eine Schule errichtet, die als sogenannte "Ritterakademie" eine Zwischenform zwischen Gymnasium und Universität darstellte, für einige Jahrzehnte überregionale Bedeutung besaß und eine Reihe bedeutender Gestalten des politischen Lebens in Bayern und Österreich, aber auch darüber hinaus, hervorbrachte. Der geistig-religiöse Aufbruch dieser Zeit setzte sich in eine Erneuerung der Klosteranlage im barocken Sinne um, wie sie in den Grundzügen bis heute erhalten ist.. Die Bekrönung dieser Bestrebungen, die freilich in der Barockzeit nie ganz zum Abschluß kamen, bildet die Neugestaltung der Kirche, eines der bedeutendsten Zeugnisse süddeutscher Barockkultur. Geistiger Urheber der inneren Erneuerung und äußerer Neugestaltung war der hervorragendste Ettaler Abt, Placidus II. Seiz (reg. 1709 bis 1736), der das Ettaler Beispiel für die temperament- und ideenvollen Gestalten ist, wie sie in der Barockzeit fast jedes dieser Klöster besaß. Im Gefolge der Französischen Revolution, der napoleonischen Ereignisse und der Neugestaltung des Staates Bayern erfuhr auch Ettal wie alle anderen ähnlichen Klöster 1803 seine Aufhebung durch die staatlichen Behörden. Die Gebäudeanlange wurde zum Teil demoliert, die Kirche als Pfarrkirche deklariert, der Grundbesitz vom Staat eingezogen und zum Teil weiterveräußert. Ein Teil der Baulichkeiten ging in Privateigentum über. Es dauerte nahezu ein Jahrhundert, bis am 6. August 1900 in Ettal neues benediktinisches Leben erstand, veranlaßt und getragen durch die Abtei Scheyern (40 km nördlich von München) und gefördert und unterstützt durch den Vorbesitzer der Klosteranlage, Freiherrn Theodor von Cramer-Klett. Wenn auch beeinträchtigt durch die Entwicklung der zwanziger Jahre, die NS-Herrschaft und den II. Weltkrieg, konnte Ettal eine fortschreitende Entwicklung bis heute nehmen als christliche Gemeinschaft, in der etwa vier Generationen miteinander leben und versuchen, dem von der Kirche und Gesellschaft gestellten Auftrag gerecht zu werden. |