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Benediktinerabtei Ettal
P. Martin Wimmer OSB (+)
Die Ettaler Barock-Orgel

 

Wenn man die Ettaler Klosterkirche besucht und den künstlerischen Reichtum dieses Gotteshauses betrachtet und bewundert, ist man immer wieder beglückt über den großartigen Orgelprospekt, der sich über der elegant geschwungenen Orgelempore erhebt. Obwohl die Architektur des Raumes ihm nicht durch einen ihn begrenzenden Rahmen entgegenkommt wie in vielen bekannten Barockkirchen, sondern ihn frei in den hohen Raum ausschwingen läßt, fügt er sich doch in vollendeter Harmonie in diesen.

Dem Orgelfreund und -kenner aber drängt sich die Frage auf: Entspricht das Orgelwerk diesem goldenen Rahmen, oder ist es ein Werk wie viele andere? Verschiedene glückliche Umstände haben das Orgelwerk, das ursprünglich in diesen Rahmen hineingebaut wurde, vor der Vernichtung oder Verfälschung bewahrt. Eine erste Gefahr drohte ihm in der Säkularisation von 1803. In den Auflhebungsakten war die Orgel auf eine Summe von 1200 fl. geschätzt worden. Auf eine Anfrage des Churf. Localkommissaires Thoma wurde diesem jedoch von der Churf. Landes-Direktion bedeutet, "daß er die dortige große Kirchenorgel daselbst unversteigert zu belassen habe". Sicher hätte die Orgel einen Standortwechsel nicht unversehrt überstanden, wo sie doch so einmalig in diesen Raum mit seinen besonderen akustischen Eigenschaften hineingebaut worden war. Dagegen wurde die Chororgel unter ihrem Schätzungswert von 400 fl. nach Bayerniederhofen (zwischen Steingaden und Füssen) verkauft, zu Beginn dieses Jahrhunderts umgebaut und schließlich durch eine neue ersetzt. Sie stand übrigens nicht im Presbyterium der Kirche, sondern im Chorsaal, der sich über der Sakristei an das Presbyterium anschließt und als Mönchschor diente. Sie stammte nicht von J. G. Hörterich, sondern war "ein feines Werk von 12 Registern und eben 1786 neu aufgesetzet und verfertigt von Thoma von Apfeltran (wohl aus der gleichn. Ortschaft bei Kaufbeuren). Außerdem wurde 1803 ein Positiv (kleine pedallose Orgel), in den Akten auf 60 fl. geschätzt, versteigert.

Die Hauptorgel wurde also von dem Sturm der Säkularisation verschont. Sie war um 1763 von Joh. Georg Hörterich aus Dirlewang bei Mindelheim gebaut worden. Die 1695 unter Abt Roman Schreter gebaute Orgel hatte der Brand von 1744 vernichtet. Über das Leben von J. G. Hörterich (Herterich) sind keine näheren Angaben vorhanden. Er baute u. a. 1748 eine Orgel in der Dominikus-Zimmermann-Kirche in Eresing bei Landsberg.

Ansicht der Ettaler Orgel Am 26. April 1756 wurde in der von Joh. Michael Fischer neu errichteten Kirche zu Bichl, das zur Abtei Benediktbeuern gehörte, eine neue Orgel von Joh. Georg Herterich von Dirlewang aufgestellt. In dieser Kirche arbeiteten auch J. J. Zeiller und Joh. Bapt. Straub. 1763 baute er in der Jachenau eine Orgel, wie aus einem Eintrag auf den 1. Mai 1763 in einem Einschreibkalender eines ungenannten Mönches von Benediktbeuern hervorgeht: "heunt alß den 1. Tag May wurdte in der Jachenau das erste mahl die Neue Orgl von unserem H:Schuell Maister Deni geschlagen, alß welche Orgl die Würthin allda von ihren eigenen unkösten a 130 fl. bezahlet. Der Orglmacher ware Georg Hertrich von Thörläwang"' (ist wohl mit Dirlewang gleichzusetzen). In Polling schuf er 1765 die größte von ihm bekannte Orgel mit 32 Registern. Dieses Werk hatte auch Zungenregister (Vox humana 4' im II. Man., Cornett 4' und Posaunenbaß im Pedal), welche in der Ettaler Orgel fehlen. 1835 wurde diese Orgel von dem Orgelbauer Hörmüller aus Landsberg, der uns auch in Ettal begegnen wird, repariert, dabei die Disposition verändert und verkleinert. Später nahm die Orgelfirma M. März aus München umfangreiche Renovierungen vor, 1915 schließlich wurde ein neues Werk erstellt. Vor einigen Jahren wurde auch dieses wieder durch ein neues ersetzt, dem die Disposition der Hörterich-Orgel zugrunde liegt.

Im Sommer 1770 arbeitete in Ottobeuren unter Karl Riepp ein „Johann georg ein bayer". Joseph Woersching vermutet in seinem Buch über den Orgelbauer Karl Riepp, daß es sich hier um Joh. Georg Hörterich handelt, der viel rechts des Leches, also in Bayern, arbeitete.

Über den Bau der Ettaler Orgel sind keine Unterlagen vorhanden. Alles Suchen in den Archiven blieb bis jetzt ergebnislos. Bei den letzten Restaurierungsarbeiten an der Orgel konnte der Orgelbauer keine Veränderung an der Disposition feststellen, mit Ausnahme des Bourdon 16', der ursprünglich ein 8 Fuß war und 1884 in einen 16 Fuß umgebaut wurde, wie auch aus einem Brief an Pfarrer Daiser hervorgeht. Jetzt wurde er wieder in einen Bourdon 8' umgewandelt. Damit ist die alte Disposition wieder hergestellt, die wie folgt lautet:

1. Manual: Hauptwerk
Bourdon 8'
Prinzipal 8'
Gedeckt 8'
Salizional 8'
Oktav 4'
Fugara 4'
Traversflöte 4'
Oktav 2'
Quint 2 2/3
Naßart 5 1/3'
Mixtur 2'5fach
Cimbel 1'3fach



Cimbelstern

2. Manual: Oberwerk
Lieblich Gedeckt 8'
Quintatön 8'
Gamba 8'
Spitzflöte 4'
Flauto amabili 4'
Prinzipal 4'
Oktav 2'
Mixtur 1' 3fach

Pedal:
Prinzipal 16'
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Violincell 8'
Oktav 4'
Quintbaß 5 1/3'
Mixturbaß 4'5fach

Wenn man sich die Disposition dieser Orgel ansieht, kann man sich fragen, was dieses Werk berühmt gemacht hat. Sind es einzelne vorzügliche Stimmen und ihr harmonischer Zusammenklang, oder ist es nur die Akustik des Raumes, die dieser Orgel eine so große Wirkung verleiht? Es seien hier nun einige Urteile über die Orgel zusammengestellt.

Eduard v. Schenkl, Vertrauensmann des Königs Ludwig 1., berichtet 1829 dem König, was er auf seiner Gebirgsreise in Ettal gesehen: "lch bemerke nur noch ehrerbietigst, daß ich in keiner Kirche die ganze Macht der Orgel so gefühlt wie in dieser, die überhaupt zu den erhabensten Kirchen Bayerns gehört."

Eduard Devrient schreibt 1851 über die Ettaler Orgel: "Aller Lebensathem ging von den Ettaler Herren aus. Eines der wohltuenden Werkzeuge ihrer Gewalt über die Seelen lebt noch heute in ganzer und überwältigender Wirkung, es ist der Ton ihrer Orgel. In meinem ganzen, an den schönsten musikalischen Erinnerungen reichen Leben weiß ich nichts, was vor den bloßen Klangeffekten dieser Orgel nicht zurückträte. Da ist nichts zu hören von dem schrillenden, nervenerschütternden Tonansatz, welcher bei angezogenen vollen Registern uns das Anhören der Orgelmusik oft kaum überwinden läßt; nein, weich und flüssig strömen die Tonwellen hervor, und dennoch mit so ungeheurer Macht und Fülle, daß es ist, als ob die Kuppel bärste und Gott der Herr mit all seinen Donnern herniederführe, um inihnen nichts als sein Erbarmen zu verkünden. Man meint bei den sanften Zügen die Stimmen der Seligen zu vernehmen, die von dem ewigen Entzücken singen, während die tiefen Töne dazu, wie die ferndonnernde Stimme des Ewigen, unsere bebende Seele erinnem, daß sein Werk Welten schaffen und vernichten kann."

In einer ähnlich romantischen Weise schildert J. N. Ingerl, seine Eindrücke von der Orgel: "Steht man mit stiller Andacht erfüllt in des Schiffes Mitte, wo das Echo jeden Laut verdoppelt von der Kuppel wieder gibt, und es erwachen die Stimmen der trefflichen Orgel, da erfaßt es die Seele mit heiligem Schauer. Zart und weich fließen die Töne durch die weiten Räume, und als schwebten im leisen Hauche die Chöre der Seligen vom ewigen Jenseits herüber, so lieblich hallt es von der schwindelnden Höhe. Schwellen die Accorde zur vollen Kraft und Fülle an, da rauscht es in den ehrwürdigen Hallen gleich nahenden Gewitterstürmen; wie das dumpfe Rollen des Donners aus Sturmgebraus, so dringen der Bässe wuchtige Klänge aus dem wogenden Getöne. Tief ergriffen bebt das Herz bei solcher Himmelsharmonie; unwiderstehlich schwingt sich die Seele zu Dem empor, welchem alle Völker ein ewiges Loblied singen. Ruht die Hand des Organisten, hat sie aufgehört, dem edlen Instrumente fromme Weisen zu entlocken, da hallt es noch immer in den ungeheuren Kreisen, und langsam verklingen die Accorde, wie der Choralgesang heimkehrender Pilger fern im Buchenhain erstirbt.

Franz Sebastian Meidinger erwähnt in seiner Historischen Beschreibung kurz die Orgel: "So ruhet auch der Musikchor auf vier marmornen Säulen und hat eine prächtige von Hertrich verfertigte Orgel, mit 30 Registern, 2 Manualen, das ganze Pedal und 5 Bälge.

H. H. Hermann, früherer Pfarrer in Ettal, schreibt am 30. 4.1884 an seinen Nachfolger u. a.: "H. Steinmeyer, der Erbauer der neuen Domorgel in München, erklärte übereinstimmend mit H. Ziegler, daß die Ettaler Orgel, die er 1880 spielte, zu viele schreiende Register habe.- Die berühmte Ettaler Orgel hat gar nichts Außerordentliches an sich, sie ist eine gewöhnliche, nur größere Orgel, und der Effect, den sie macht, ist nicht ihr, sondern der seltenen Akustik der Kirche zuzuschreiben, diese ist zu bewundern, nicht die Orgel. Hier wird schon die romantische Klangvorstellung spürbar, welche den weichen Klang mit möglichst vielen 8' Stimmen bevorzugt. Den Registern wird hier jegliche Besonderheit und Qualität abgesprochen und alles der Akustik zugeschrieben.

Ansicht der Ettaler Orgel Dr. Heinrich Reimann, Orgelvirtuose, Organist der Berliner Philharmonie und später Organist der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, eine bedeutende Persönlichkeit im Berliner Musikleben um die Jahrhundertwende, hält dagegen durch die Ettaler Orgel die Theorie von der Notwendigkeit der Verwendung zahlreicher 8füßiger Stimmen, um einen wirklich edlen Ton zu erzielen, für widerlegt. So schreibt er in einem Bericht über seine Orgelreise im Jahre 1896: "Das war also die 'berühmte' Ettaler Orgel! Welch' bittere Enttäuschung, dachte ich bei mir. Mit Mühe gelang es mir, mich auf dem kurzen Pedal einzurichten; ich probierte einzelne 8füßige Stimmen: sie waren fast durchweg tadellos, Quintatön und Gamba sogar von bemerkenswerter Schönheit! Aber die Gesamtwirkung konnte bei den vielen Schreiregistern doch unmöglich eine angenehme sein! Nur zögernd ging ich daran, das volle Werk erklingen zu lassen! Aber wie war ich erstaunt! Welche Fülle weihevollen, silberhellen, edlen und wahrhaft erhebenden Klanges entströmte diesem Instrumente! Nirgends wurde der 8Fußton gedeckt; im Gegenteil, es war, als wenn die zahlreichen 4- und 2füßigen Stimmen und Mixturen dem 8Fußton eine besonders lebhafte Färbung gäben, und von der Höhe der Kuppel strömte solcher Wohlklang herab, daß ich den Schlußakkord in C-Dur gar nicht loslassen wollte, nur um diese wahrhaft verklärte Klangwirkung recht aus Herzensgrunde und lange genießen zu können. Wie mußte das Instrument erst von unten, vom Kirchenraum aus klingen! Auf mein inständiges Bitten ließ sich die Frau Lehrerin bewegen, die Orgel zu spielen. Ich bat nur um den C-Dur-Akkord mit vollem Werk und schwelgte wohl mehrere Minuten lang einzig und allein in dem Anhören dieses Akkordes. Es war, als ob die Orgel unten noch mächtiger klänge, als oben unmittelbar am Spieltisch! Die Töne, so schien es mir, stiegen in die Höhe des Kuppelraumes, um von da wie durch einen Schallbecher verstärkt, aber auch geläutert und verklärt, wieder zurückzukehren. Und wenn nun gar noch der Cimbelstern in Bewegung gesetzt wurde, und die hellen Glocken zu dem C-Dur-Akkorde erklangen, da war es, als sänge ein überirdischer Chor sein ,Gloria in excelsis Deo'. Die kleine, an sich unbedeutende Orgel in Ettal wirft alle Theorie über den Haufen und lehrt Organisten und Orgelbauer wieder einmal, daß alle Theorie grau ist. Man studiere die Akustik des Raumes, in den eine Orgel kommen soll, prüfe seine architektonischen Verhältnisse und darnach richte man die Orgeldisposition ein! Sonst kann man es erleben, daß die theoretisch beste Disposition absolut untauglich ist, und eine theoretisch absolut untaugliche grade die höchste und edelste Wirkung ausübt. Der 5 Minuten lange Ettaler C-Dur-Akkord wird mir unvergeßlich bleiben."

Prof. L. Berberich versucht dagegen in seinem Gutachten vom 26. Febr. 1937 den Wert der Orgel herabzumindern auf Grund der guten Akustik, um dadurch einen Umbau zu rechtfertigen, muß jedoch zugeben, daß der Erbauer des Werkes den Raum akustisch gut studiert hat. Er schreibt: "Warum klingt die Ettaler Orgel verhältnismäßig gut? Weil der Organist ihr schmeichelt und schön tut, weil die Akustik der Kirche derart günstig ist, daß eine Orgel überhaupt nicht schlecht klingen kann. Zugegeben muß werden, daß der Erbauer des Werkes den Raum akustisch gut studiert hat, so gut, daß ein Orgelbauer von heute die Register vielleicht nicht mehr so günstig hineindisponieren könnte.

So gehen die Urteile über die Ettaler Orgel weit auseinander. In den mehr differenzierten Aussagen wird jedoch unterschieden zwischen der Wirkung der Akustik, die wohl die Klangfülle des Werkes unterstützt und steigert und der Klangqualität einzelner Stimmen. Die Akustik kann den einzelnen Stimmen ihre Tonqualität und ihre charakteristische Färbung nicht geben, sondern verwischt sie eher durch den langen Nachhall, und sie kann auch nicht einen ausgeglichenen Zusammenklang der Stimmen ersetzen.

Nun bleibt noch die Frage, wieweit die Orgel noch ihren barocken Klangcharakter besitzt. Daß keine größeren Eingriffe in die Orgel vorgenommen wurden, zeigt sich auch darin, daß keines der "Schreiregister", vor allem die Cimbel im 1. Man., entfernt wurden. Kleinere Veränderungen in der Intonation durch Stimmschlitze u. ä. wurden natürlich im Laufe der Zeit vorgenommen. In diesem Zusammenhang ist vielleicht von Interesse, welche Orgelbauer an der Orgel Reparaturen vorgenommen haben, und was sie jeweils gemacht haben. Als Unterlage dienen hierzu die Akten im Pfarrarchiv.

1829 bittet der Pfarrer das königl. Rentamt Werdenfels um einen "begutachtlichen Bericht an die höchste Regierung, daß vom kgl. Aerar diese so nöthige Reparatur der Orgel übernommen werden möge. Die Orgel ist, nachdem wahrscheinlich seit ihrer Aufstellung noch keine Reinigung oder Reparatur vorgenommen worden, in ziemlich schadhaften Zustand gerathen. Vorzüglich sind die 5 Blasbälge so schadhaft, daß sie kaum schnell genug und nur mit größter Anstrengung behandelt werden können". Für die Reparatur wird der Orgelbauer Peter Paul Hörmüller aus Landsberg vorgeschlagen. In dem Protokoll über eine Besprechung mit dem Orgelbauer werden die notwendigen Arbeiten aufgeführt: "die nöthige Reinigung von dem seit vielen Jahren angehäuften, und in manchen Theilen Zoll hoch liegendem Staub, die ruinösen Windkanäle und Blasbälge müssen ausgebessert werden; auch müssen die Blasbälge die vorgeschriebene abgeänderte Stellung erhalten, und zum treten vorgerichtet werden, die ruinösen Theile der Mechanik müssen repariert werden etc. Für die Reparatur wurden nach längeren Verhandlungen 300 fl. genehmigt. P. P. Hörmüller verspricht alle vorgezeichneten Arbeiten in Ausführung zu bringen, und dieser Orgel eine solide, leicht bewegliche Mechanik, ein sicheres und schnelleres Ansprechen und den ursprünglichen reinen harmonschen Klang und vollen kräftigen Ton zu verschaffen." Hier zeigt sich noch keine Absicht, die Intonation zu verändern. Für den 6. Sept. 1831 erfolgte die Einladung zur Orgelprobe an Pf. Weinmayer in Dießen, P. Egid Jais, den Lehrer und Organisten in Oberammergau, den Chorregent Adler von Schongau u. a. Die nächste Reparatur erfolgte 1850 durch den Orgelbauer Frosch, für welche eine Summe von 350 fl. genehmigt wurde. Über die ausgeführten Arbeiten sind keine Angaben erhalten.

Am 19. Nov. 1883 beantragt Pfarrer Karl Daiser wiederum eine Reparatur, weil sich "Mängel zur Zeit in einer Weise fühlbar machen, daß eine Abhilfe dringend nothwendig ist, wenn nicht das ganze Werk Schaden leiden soll". Die Reparatur übernimmt der Orgelbauer Karl Mühlbauer von Schongau. Im Kostenvoranschlag betont er, "daß an der Disposition nichts geändert werden soll, sondern das ganze Werk durchgehend gereinigt, intoniert und gestimmt werden, mithin demselben seine Kraft wieder zu geben". Er schlägt auch einen neuen sog. Magazinbalg vor und die Anfertigung einer neuen Manual- und Pedalklaviatur. In einem Brief an Pf. Daiser macht Mühlbauer jedoch den Vorschlag, das Register Bourdon 8' in einen 16 Fuß umzuwandeln, weil dadurch das Werk an Fülle bedeutend gewinnen würde. Im Protokoll über die Orgelprobe vom 21. Juli 1884 werden im einzelnen die Arbeiten aufgeführt und gut beurteilt. Unter Z. 6 heißt es dann: "Die einzelnen Register sind vollständig repariert, und durch Vertauschung einzelner veralteter Züge mit entsprechenden neuen hat die Orgel bedeutend gewonnen." In einem Nachsatz bringt die Kirchenverwaltung ihre Zustimmung zum Inhalt des vorstehenden Protokoll zum Ausdruck, bringt aber zu Z. 6 eine Berichtigung: "daß sämmtliche früheren Register geblieben sind und keine Austauschung einzelner Züge stattgefunden hat. Die Orgel hat jedoch dadurch bedeutend gewonnen, in dem sie eine gegen früher mildere Stimmung erhalten, die Pfeifen der einzelnen Register wie das Salizional und der Gamba mit Stimmschlitzen, die Bässe mit Seitenbärten und dgl. versehen wurden." Weder im Protokoll noch im Nachtrag der Kirchenverwaltung wird der Bourdon, der nun tatsächlich bis zur letzten Reparatur als 16 Fuß vorhanden war, erwähnt. Eine Vertauschung einzelner Züge konnte nicht festgestellt werden, es ist aber wahrscheinlich, daß einzelne Register in ihrer Intonation entsprechend dem Zeitgeschmack verändert wurden. Dabei werden die "Schreiregister" Mixtur und Cimbel nicht erwähnt, was vermuten läßt, daß es sich nicht um tiefgreifende Veränderungen handelte. Die nächste Reparatur wird bereits wieder von einem Benediktiner, dem Pfarrvikar P. Martin Aignherr, am 21. Dez. 1900 beantragt. Von da an werden auch wiederholt Vorschläge zum Umbau der Orgel entsprechend dem romantischen Klangideal gemacht, mit den für diese Zeit typischen Registern: Aeoline, Dolce, Vox coelesti etc. Auch die mechanische Traktur sollte durch eine pneumatische Anlage ersetzt werden. So legte 1901 der Orgelbauer Josef Mühlbauer aus Augsburg einen Kostenvoranschlag für einen Umbau vor. Die Kirchenverwaltung beschließt jedoch am 20. Dez. 1904 "daß am Äußeren nicht geändert werden soll". Es bleibt dann bei einer Reinigung, Instandsetzung und Stimmung, welche 1905 und dann nochmals 1926 die Firma Willibald Siemann von München durchführt. Dieselbe Firma baute 1916 auch den Ventilator mit elektrischem Antrieb ein. Zu einem Umbau der Orgel konnte man sich zum Glück nicht entschließen. Seit 1937 betreut nun die Firma Jos. Zeilhuber & Sohn aus Altstädten bei Sonthofen die Ettaler Orgel.

Seit 1962 befaßte man sich wieder mit dem Plan einer gründlichen Reparatur der Orgel, nicht mehr im Sinne eines Umbaus, sondern der Erhaltung eines historisch wertvollen Werkes, jedoch mit einigen Ergänzungen zugunsten einer besseren Spielbarkeit. Vor allem sollte das Pedal auf den normalen Umfang von C-f' erweitert werden. Die Zeit der Orgel als Orchesterimitation war inzwischen vorbei, man hatte die Eigenständigkeit des Orgelklanges wieder erkannt und die barocken Vorbilder schätzen gelernt.

Akut wurde dann der Plan, als man 1966 daran ging, die Kirche zu renovieren. So erhielt die Firma Jos. Zeilhuber & Sohn den Auftrag zur Restaurierung der Orgel. Am 21. Febr. 1967 fand in Altstädten eine Besprechung statt, in welcher die Arbeiten an der Orgel festgelegt wurden. Die ganze mechanische Spiel- und Registertraktur sollte gründlich überholt und leichter spielbar gemacht werden, das Pfeifenmaterial gereinigt, ausgeformt und mit Stimmvorrichtungen versehen werden. Bei einer Anzahl von Holzpfeifen war es auch notwendig, den zu hohen Aufschnitt durch Einsetzen eines neuen Oberlabiums zu korrigieren. Man beschloß, das Pedal auf den Umfang C-f' zu erweitern und den Spieltisch neu zu gestalten, jedoch entsprechend der alten Anlage, da er 1884 zum Teil schon erneuert worden war und so historisch keine besondere Bedeutung mehr hatte. Dadurch war es dann auch möglich, dem Spieltisch die heute üblichen Abstände zwischen Manual, Orgelbank und Pedal zu geben, was das Spielen gegenüber früher wesentlich erleichtert. Wie schon erwähnt, wurde der Bourdon 16' wieder in einen offenen 8 Fuß umgewandelt. Außerdem wurde noch eine Koppel II. M.-Pedal eingebaut. Die Firma Jos. Zeilhuber & Sohn unterzog sich dieser mühevollen Kleinarbeit mit großer Sorgfalt und Geduld. Die Urteile von Organisten und Orgelbauern über die geleistete Arbeit lauten durchwegs sehr anerkennend, und sicher ist auch eine bedeutende klangliche Verbesserung im Sinne des barocken Klangideals festzustellen.

So steht seit Pfingsten 1969 das Werk von Joh. Georg Hörterich wieder bereit für den Dienst zum Lobe Gottes, in seiner vollständig erhaltenen Anlage ein Werk von historischer Bedeutung und zugleich eine Kostbarkeit und Zierde des Gotteshauses ob seiner klanglichen Qualität.

aus der Festschrift zum 600jährigen Weihejubiläum der Klosterkirche Ettal, 1970